Geburtstag und Weihnachten auf einmal

4. Adventsbericht für die Schweriner Volkszeitung: Helfer mit großem Herzen

Kennen Sie das Gefühl: Geburtstag und Weihnachten auf einmal? Man kann es erst einmal gar nicht fassen.

Es geht wieder um das Kinderheim Girassol in São Paulo. Ich habe schon darüber berichtet, dass dort über 50 Kinder leben. Sie haben riesiges Glück gehabt, nicht mehr vernachlässigt zu sein, nicht auf der Straße leben zu müssen

Der neue SpeisesaalDer neue SpeisesaalFast alle haben sie in ihren jungen Jahren ein schweres Schicksal erleiden müssen in einer Gesellschaft, in der Kinder kaum Schonraum haben. Nun haben sie für ihre Zukunft eine Perspektive. Girassol bietet ihnen mehr, als nur ein Dach über dem Kopf. Hier erhalten sie neben viel Aufmerksamkeit und Förderung, Liebe und Geborgenheit und durch die hauseigenen Ausbildungsmöglichkeiten eine echte Chance für ihre Zukunft in Brasilien.

Neben Angelika Pohlmann kämpfen zahlreiche ehrenamtliche Helfer in São Paulo und auch in Deutschland täglich dafür, dass es mit Girassol weitergeht. Die komplette Einrichtung finanziert sich ausschließlich über Spenden, keinerlei staatliche Hilfe fließt in das Projekt. Über 50 Kinder wollen rundum versorgt werden. Dazu ein paar Zahlen im Vergleich. Die monatlichen Kosten in Brasilien betragen für ein Kind ca. 200 Euro, in Deutschland kostet ein vergleichbarer Heimplatz ab 2.000 Euro aufwärts. Rechnet man diese Beträge auf das Jahr und die Anzahl der Kinder, dann käme man in Deutschland für eine vergleichbare Einrichtung auf 1,2 Mill. Euro Jahresbudget. Dagegen nehmen sich die 120.000 Euro für Girassol regelrecht bescheiden aus; wenn das nicht alles gesammelte Spendengelder wären. In diesen Summen sind größere Baumaßnahmen nicht einbegriffen!

Die neue KücheDie neue KücheIn diesem Jahr war in Girassol eine neue Küche fällig. Zum einen hatte die alte Küche schon länger ihre Dienste getan, zu anderen war die Anzahl der Kinder stetig gewachsen und so mussten größere Geräte her.

Eine neue Küche für Girassol unter den hohen hygienischen Standards, das ist kein Pappenstiel. So etwas kann man nicht aus dem „Laufenden" finanzieren. Man könnte vielleicht jedes Jahr etwas zurückstellen und für eine neue Küche ansparen. Aber wie, wenn die Spendengelder gerade für das Alltägliche reichen. Und nun kommt's, Geburtstag und Weihnachten ...

Der Spender: Karl-Heinz Danzer † 22.12.2004Der Spender: Karl-Heinz Danzer † 22.12.2004Karl-Heinz Danzer aus Hilden im Rheinland hatte Girassol schon lange unterstützt. Nicht nur mit Spenden, sondern auch ganz praktisch, Briefe an Spender kuvertieren, zur Post bringen usw. Wir wussten, dass er schwer krank war, aber er half gerne. Es war ihm wichtig, den Kindern von Girassol eine Freude zu machen und die dankten es ihm. Weihnachten 2004 ist er verstorben, aber nicht, ohne an die Kinder von Girassol zu denken.

Als ich im April 2005 aus São Paulo zurückkam, lag da ein Brief vom Nachlassverwalter: Karl-Heinz Danzer hatte den Kindern von Girassol 40.000 Euro vererbt. Ich habe den Brief mehrmals gelesen, bis ich es glauben konnte.

Nun hat Girassol eine neue Küche mit modernen Geräten und das Essen schmeckt wirklich gut. Wir haben Karl-Heinz Danzer als Freund von Girassol zwar verloren, aber wir werden die Erinnerung an bewahren. Gemeinsam mit den Freunden in São Paulo habe ich am kleinen Pavillon eine Tafel mit seinen Lebensdaten angebracht.

„Aber für das tägliche Leben, für die Versorgung der Kinder, für den Nachhilfeunterricht, die psychologische Betreuung ... Du weißt schon, sind wir weiterhin auf jede Spende angewiesen. Sag das den Leuten in Deutschland," ermahnt mich Angelika Pohlmann als wir die neue Küche besichtigen.

ScheckübergabeScheckübergabe          Anbringen der ErinnerungstafelAnbringen der Erinnerungstafel

Schweriner Volkszeitung

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