Langenfelder singen für Sozialprojekt

Der Spendenerlös eines Chorkonzerts in der Kirche St. Josef geht an ein brasilianisches Kinderheim mit Ausbildungszentrum.

Der Blick zur Fußball-WM in Brasilien sensibilisiert für die sozialen Probleme dieses Landes. Wer konkret helfen will, für den gibt es am 29. Juni eine gute Gelegenheit bei einem Chorkonzert in der katholischen Kirche St. Josef. Der Erlös geht an das Sozialprojekt "Girassol" in Sao Paulo.

Die RP sprach mit der Deutschbrasilianerin Friederike Budweg-Krebs, Sängerin im Kirchenchor und Mitglied des Hildener Fördervereins Projekt Girassol.

Wieso singen Langenfelder Chöre für brasilianische Kinder?

Die Langenfelder Chorsängerin Friederike Budweg-Krebs engagiert sich im Projekt Girassol, das Kinder in einem Armenviertel von Sao Paulo unterstützt. FOTO: privatDie Langenfelder Chorsängerin Friederike Budweg-Krebs engagiert sich im Projekt Girassol, das Kinder in einem Armenviertel von Sao Paulo unterstützt. FOTO: privatBudweg-Krebs Seit fast 15 Jahren singe ich im Kirchenchor St. Josef, aber noch länger engagiere ich mich für das Sozialprojekt "Girassol" (deutsch: Sonnenblume") in meiner Heimatstadt Sao Paulo. Die Chormitglieder hörten meinen regelmäßigen Berichten mit Interesse zu, und es entstand irgendwann die Idee, ein Benefizkonzert für Girassol zu veranstalten. Das Projekt in Sao Paulo wird zu 100 Prozent aus Spenden finanziert.

Wie entstand dieses Projekt und was bewirkt es?

Budweg-Krebs 1992 gründeten Deutsche ein Kinderheim in der südlichen Peripherie der Riesenstadt, in Grajaú. Das ist eine Arme-Leute-Gegend, in der Landesprache "Favela" genannt. Im Laufe der Jahre wurde ein Berufsbildungszentrum dazu gebaut, damit nach der behüteten Zeit im Kinderheim eine Chance besteht, den Lebensunterhalt verdienen zu können. Mittlerweile können etwa 600 Jugendliche aus der ärmlichen Umgebung nach der Schule eine Art Lehre in verschiedenen Berufen absolvieren.

Was konkret erwartet die Zuhörer beim Benefizkonzert am 29. Juni in Langenfeld?

Budweg-Krebs Zusammen mit dem Kirchenchor an St. Josef, einem in dessen Umfeld gebildeten Chor von jungen Menschen sowie ehrenamtlich auftretenden Musikern bereitet Chorleiter Matthias Krella ein buntes musikalisches Programm vor. Dazu sehen wir einen Kurzfilm über die Einrichtung in Sao Paulo. Der Eintritt ist frei, wir hoffen auf großzügige Spenden.

Gibt es weitere Pläne für Girassol?

Budweg-Krebs Neuerdings werden Seminare für Erwachsene angeboten, etwa zu Themen der Gesundheit, Ernährung, Familienhilfe. Hauptsächlich Frauen, fast immer die Ernährerinnen der Familien, nehmen teil. Das Projekt entwickelte sich zu einem Zentrum, von dem die ganze Gegend profitiert, nicht zuletzt durch einen Second-Hand-Laden, der ehrenamtlich auf dem Gelände betrieben wird. Der Erlös hieraus fließt wiederum dem Projekt zu. Ein Sozialprojekt dieser Art ist ein organisch wachsendes Ganzes, das einem kontinuierlichen Wandel unterworfen ist und Weiterentwicklung dadurch erfährt, dass neue Bedürfnisse und Bedingungen zu neuen Ideen und Planungen führen. So wird im Moment die Eröffnung einer Kindertagesstätte mit ganztägiger Betreuung erörtert.

Im Hinblick auf die soziale Situation Brasiliens ist Girassol nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Warum ist das Engagement trotzdem wichtig?

Budweg-Krebs Unsere Arbeit sind die Kreise, die der ins Wasser geworfene Stein zieht. Im Verhältnis gesehen, können wir nur Einigen der unendlich vielen Vernachlässigten helfen. Aber diese können sich freischwimmen und selber wiederum nutzbringend in ihrer Umgebung wirken. Hilfe zur Selbsthilfe ist der Schlüssel für diese Arbeit!

Quelle: RP vom 16. Juni 2014

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